Die Projektion

 

Die Projektion
Eine Projektion findet statt, wenn wir in einem anderen etwas sehen, was eigentlich in uns selbst ist.
Eine Projektion könnte man auch als Dauer- Thema bezeichnen, das uns ständig, aber unbewusst beschäftigt.

Interessanterweise kommen viele Beziehungen aufgrund einer Projektion zustande.
Wir sehen im andern etwas, was wir gerne sehen möchten.
Wir hätten es gerne, wenn der andere so wäre, wie wir uns das vorstellen.

Die Projektion wirkt wie ein indoktriniertes Konzept, tiefenpsychologisch aber unbewusst. Ohne dass es uns klar ist, dass wir ein solches Konzept haben, halten wir uns streng an dieses Konzept. Und wenn Sie einmal verstanden haben, wie Ihre Themen in Projektionen umgewandelt werden und funktionieren, dann haben Sie mehr Einfluss auf Ihre Emotionen, Ihre ganze Gefühlswelt und somit über Ihr gesamtes Leben. Dann werden sie plötzlich wissen, weshalb dieses oder jenes Gefühl bei bestimmten Situationen immer wieder hochkommt.

Wenn wir anderen Menschen Eigenschaften, Handlungen oder Verhaltensweisen vorwerfen, die wir auch selbst in uns haben, dann sind wir in der Projektion. Bei der Projektion spricht man auch davon, die „Schuld“ schnell auf einen anderen zu verlagern. Bevor die Schuld bei mir landet, verlagere ich sie schnell auf den andern.

Wenn ich jemandem vorwerfe, er wäre nicht ehrlich. Dann ist es sicher so, dass ich es mit der Wahrheit auch nicht so ganz genau nehme. Sei es auch nur, dass ich hin und wieder Notlügen oder Ausreden gebrauche. Ausreden werden merkwürdigerweise von den wenigsten Menschen als Unehrlichkeit war genommen und doch sind es auch Lügen.

Wenn ich jemandem vorwerfe, dass er nur an sich denkt, obwohl ich eigentlich selbst auch ziemlich egoistisch bin, ist ein weiteres Beispiel. Bei sich selbst zu erkennen, egoistisch zu sein und auch dazu zu stehen ist natürlich nicht einfach. Aber wenn wir es schaffen unsere eigenen „Themen“ aufzudecken und nicht mehr auf andere zu projizieren, werden wir wieder zum „Lenker„ unseres Lebens und sind nicht abhängig von ständigen Gefühlsausbrüchen.

Ein anders Beispiel für die Projektion von Egoismus: Eine Frau hat von frühester Kindheit an gelernt, andere Menschen so zu manipulieren, dass ihr die anderen ständig und immer, alles gefallenhalber machen.
Sie ist so „nett“ dass ihr niemand einen Wunsch abschlagen kann.
Dass Sie überwiegend nur auf das eigene Wohl bedacht ist, durchschaut sie natürlich nicht.
Begegnet nun diese Frau einer Person, die deren Wünsche nicht eingeht, so wird die Frau diese Person als egoistisch bezeichnen.
Ist diese andere Person auch noch der Beziehungspartner, dann wird diesem vermutlich auch noch unterstellt, dass sie, die Frau, für Ihn als Mann offensichtlich nicht wichtig genug wäre.

Wenn nun dieser Mann auch noch ein Schuldthema mit sich herumschleppt, dann ist er in einer wirklich klassischen Falle gefangen. Was er von nun an auch macht, es wird immer falsch sein, weil es entweder gegen ihn selbst oder seine Partnerin gerichtet ist.
An diesem Punkt fängt diese Beziehung zu scheitern an.

Wir übertragen also unsere eigenen Themen, auch Ängste und Sorgen auf andere Menschen, ohne es zu merken. Wenn ich beispielsweise von meiner letzten Freundin enttäuscht wurde, dann sehe ich nur noch Frauen, die es mit der Liebe anscheinend nicht ernst meinen.

Ein anderer Klassiker, der uns täglich begegnet: Alle die mit einer Diät starten, drangsalieren plötzlich die anderen Menschen, dass sie doch jetzt mal gefälligst gesund ernähren sollten.

Oder eine Frau wurde gerade von ihrem Ehemann verlassen und plötzlich sieht sie bei den Männern ihrer Freundinnen dieselben Anzeichen des Fremdgehens oder Verlassenwerdens.

Wenn wir uns über andere aufregen, dann deshalb, weil es etwas mit unseren Werten und Eigenschaften zu tun hat. Häufig sind das Dinge, die wir selbst nicht leben, weil wir es uns nicht zugestehen, dem andern natürlich auch nicht. Wir regen uns also auf, weil ein anderer etwas tut, was wir uns selbst nicht erlauben.

Wer über den eigenen Projektionsmechanismus nicht klar ist, kann sich hemmungslos über andere aufregen. Über die dussligen Autofahrer auf der Autobahn, die Drängler am Bahnsteig, die Banker und die Politiker. Man kann lästern und über andere herziehen, dass es nur so kracht. Am Stammtisch kann man noch Gleichgesinnte finden, die es genauso machen und uns auch noch bestätigen, dass wir mit unserem Denken im „Recht“ sind.

Damit man nicht mehr so gedankenlos über andere urteilen muss, könnte man sich immer wieder mal fragen:

.. Ist das jetzt gerade eine Projektion von mir?
.. Habe ich damit ein Thema?
.. Und was ist mein Thema?

Sobald sie verstehen, dass Ihnen immer wieder Menschen geschickt werden, die nur die Aufgabe haben, sie auf Ihre Themen hinzuweisen, dann werden Sie als Mensch erwachsener und verfügen in zunehmendem Maße über „SoftSkills“.

Stellen Sie sich Immer wieder mal selbst die Frage: „Was mich jetzt am anderen ärgert, was hat das mit mir zu tun?“
Auf diese Art werden Sie mehr und mehr feststellen, welchen Einfluss Ihre Themen und Glaubenssätze auf Ihre eigenen Gefühle und Ihre Handlungen haben.

Das Verhalten anderer Menschen oder den anderen Menschen kann ich nicht verändern. Den andern kann ich nur akzeptieren, wie er ist oder mich nicht mit ihm einlassen. Aber alles was mit meiner eigenen Gedanken- und Gefühlswelt zu tun hat, kann ich verändern.

In dem Augenblick, in dem man die eigenen Themen aufdeckt und die damit verbundenen Projektionen erkennt, wächst man als Mensch und man wird innerlich stärker, gefestigter und emotional ruhiger.

Deswegen möchte ich Sie heute dazu einladen, sich auf die Suche nach Ihren Themen und den damit verbunden Projektionen zu machen. Stellen Sie sich bei passender Gelegenheit eine dieser Fragen:

.. Weshalb begegnet mir dieser Mensch?
.. Weshalb bin ich in dieser Situation?
.. Was hat das mit mir zu tun?
.. Werfe ich dem anderen gerade vor, was ich selbst genau so mache?
.. Werfe ich dem anderen etwas vor, was ich mich selbst nicht traue?
.. Werfe ich dem anderen etwas vor, worauf ich neidisch bin?

Solche Fragen zu stellen, erfordern keinen Mut, nur etwas Achtsamkeit. Aber das ist es ja, was die persönliche Entwicklung eines jeden Menschen ausmacht. Es erfordert nur den Mut, sich selbst besser kennenlernen zu wollen, auch wenn dies manchmal nicht so schmeichelhaft sein könnte. Das ist ein wichtiger Schritt zur emotionalen Kompetenz.